Waldheim in Sachsen
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Diedenhain

Ohne Schule und Kirche

Das Dorf Diedenhain blickt auf über 800-jährige Geschichte zurück

Diedenhain. Nördlich von Waldheim und östlich von Hartha liegt das Dorf Diedenhain, ohne Zweifel eine deutsche Siedlung, die jetzt mehr als 800 Jahre alt sei dürfte. Wie bei vielen Neugründungen des Mittelalters üblich, wurde das Dorf nach dem Siedleranführer (Lokator) benannt, der Dietrich, Dieter oder Dedo geheißen haben wird. Schriftliche Aufzeichnungen darüber gibt es leider nicht; erst in einer Urkunde von 1346 tritt uns der Name „Dydenhain“ entgegen.
Beurkundet wurde damals die Zugehörigkeit von Diedenhain zum Kloster Buch. Mit der Reformation wurden die Klosterdörfer dem kurfürstlichen Amt Leisnig unterstellt, das bis ins 19. Jahrhundert hinein die Aufsicht über Diedenhain führte. August Schumann, der Vater des berühmten Komponisten Robert Schumann, hielt vor jetzt zwei Jahrhunderten in seinem Lexikon von Sachsen fest: „Dietenhain, fälschlich Dittenhain, neuschriftsässiges Rittergut und Dorf im Leipziger Kreis, im Amt Leisnig, an der Zschopau, eine halbe Stunde nördlich Waldheim entfernt gelegen. Ehedem gehörte es zum Rittergut Schweikershain, wurde aber am 25. November 1591 von Kurfürst Christian erkauft und als ein schriftsässiges Rittergut zum Amt Leisnig geschlagen.“
Nur wenige Bauern
Diese Nachricht ist mit Vorsicht zu behandeln, denn von einem Rittergut in Diedenhain ist sonst in der Literatur nirgends die Rede. Wahrscheinlich handelt es sich nur um Besitzanteile.
Mitte des 16. Jahrhunderts gab es in Diedenhain 13 Bauernstellen und weitere 23 Familien ohne Grundbesitz. Nach einem Verzeichnis von 1764 sollen es 14 Bauern und neun Häusler gewesen sein, zu der noch die abseits vom Ort im Zschopautal gelegene Mühle mit vier Mahlgängen, einer Öl- und Schneidemühle zählte. Mühlenbesitzer war Johann Georg Küchenmeister; sein Nachfahre F. E. L. Küchenmeister besaß die Mühle auch noch 1878. In jenem Jahr wurden zwölf Bauernwirtschaften zu Diedenhain registriert.
Bei der ersten Volkszählung in Sachsen kam Diedenhain 1834 auf 168 Einwohner, deren Zahl bis 1890 auf 229 wuchs (Wohnort zwischen Hartha und Waldheim), dann aber bis 1939 wieder auf 212 zurückging. Verwaltungsmäßig war der Ort 1856 dem Gerichtsamt Hartha, bei dessen Auflösung dann dem Amtsgericht Waldheim zugeordnet worden.
Mühle mit großer Länderei
Gehörten zur Diedenmühle 1878 ganze zwölf Hektar Grund und Boden, so war der Umfang bis 1910 auf 51 Hektar angewachsen (20 Hektar Wald, 18 Hektar Acker und zwölf Hektar Wiesen, der Rest Wege und so weiter). Das Ganze gehörte der Firma Kübler & Niethammer (Papierfabrik in Kriebstein) und war an Kurt Mehnert verpachtet. Die Familie Mehnert bewirtschaftete die Diedenmühle von 1898 bis 1947.
Die Diedenmühle war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrfach von Bränden betroffen, so 1851 (Schuppen), 1852 (Kellerhaus), 1882 (Wohnhaus), 1886 (Seitengebäude), 1899 (Stall). Albert Niethammer hatte 1886 die Diedenmühle gekauft, um die Rechte an der Meinsberger Wasserkraft zu erwerben. 1888 entstand dann oberhalb der Mühle ein neues Wehr und von dort ein 1600 Meter langer Mühlgraben zur ebenfalls 1888 errichteten Meinsberger Fabrik (später Forschungsinstitut).
Die Geschichte der Diedenmühle endete in den 1980er Jahren, als die inzwischen baufällig gewordenen Gebäude weggerissen wurden. „Ein letzter kleiner Schuppen, der sich allen Unbilden zum Trotz bis zuletzt erhalten hatte, musste schließlich der neuen Umgehungsstraße zwischen Waldheim und dem Richzenhainer Gewerbegebiet weichen“, war von Zeitzeugin Gertraude Striegler zu erfahren.
Imposanter Viadukt
Diese Umgehungsstraße führt durch den Viadukt Diedenhain, auch Diedenmühlenviadukt genannt, eines der imposantesten Bauwerke des Landkreises Döbeln. Er wurde zwischen 1846 und 1852 für die Eisenbahnlinie Chemnitz-Riesa erbaut (Teil der „Bankrottmeile“), ist 49 Meter hoch und über zehn Meter breit. Der Viadukt besteht aus zwei Etagen. Die unterste hat zwei große Sitzbogen (durch den südlichen führt die Umgehungsstraße), darüber vier Rundbogen, die an beiden Seiten von je vier weiteren Bogen flankiert werden, zu denen sich in Richtung Bahnhof Waldheim noch zwei Bogen anschließen.
Im preußisch-österreichischen Krieg 1866 war der Viadukt zur Sprengung angebohrt, die jedoch nicht ausgeführt wurde. Auch am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 blieb der Diedenhainer Viadukt glücklicherweise vor Zerstörung bewahrt.
Das Dorf besitzt keine Kirche und ist seit je nach Hartha eingepfarrt. Wohl deshalb ist Diedenhain 1950 auch nach Hartha eingemeindet worden. Auch eine Dorfschule existierte in Diedenhain nicht – die Kinder gingen nach Steina zum Unterricht.

Matthias Wolf, DAZ vom 23.01.2008 Rubrik Heimatgeschichte

Bilder und Informationen zur Diedenhainer Mühle finden Sie hier.

Das Viadukt Diedenmühle befindet sich bei Bahnkilometer 34,271 und ist 210 m lang bei einer Höhe von 51 m.

Ortsnamenformen:

  • 1346: Dydenhain
  • 1377: Tidenhain
  • 1415: zum Dedinhain
  • 1591: Didenhain