Waldheim in Sachsen
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2. Betrieb und Stilllegung

2. Betrieb und Stilllegung

Die Abnahmefahrt mit festlich geschmückter Lokomotive und dem Salonwagen der K.S.St.Eb fand am 10.12.1896 statt. In Kriebethal empfingen Bevölkerung und Gemeindevertreter den Zug, der nach kurzem Aufenthalt weiter nach Kriebstein fuhr. Hier waren die Festteilnehmer zu einem Mittagessen in die Fabrikantenvilla eingeladen. Ein Feuerwerk begleitete am Abend den Zug auf seiner Rückfahrt nach Waldheim.
Die offizielle Eröffnung für den Güterverkehr erfolgte fünf Tage später. Im "Waldheimer Anzeiger" hieß es hierzu:
»Am 15. Dezember diesen Jahres wird die eingleisige vollspurige Neubaustrecke Waldheim-Kriebethal für den öffentlichen Güterverkehr eröffnet werden. Der Betrieb wird nach Maßgabe der Bahnordnung für die Nebeneisenbahnen Deutschlands erfolgen. Bahnbewachung und -absperrung finden nicht statt. Die Lokomotiven werden mit helltönenden Läutewerken ausgerüstet und die Führer der Lokomotiven angewiesen werden, das Läutewerk bei der Annäherung des Zuges oder der Lokomotiven an den mit Bahnschienen in gleicher Ebene gelegenen unbewachten Übergängen in Thätigkeit zu setzen und bis nach Erreichung des Überganges darin zu halten. Indem wir dies hier öffentlich zur Kenntnis bringen, unterlassen wir nicht, das Publikum noch ganz besonders zur Aufmerksamkeit bei dem Überschreiten sowie Überfahren der in Frage kommenden Übergänge zu veranlassen.«

Fahrplan von 1910

Der erste Zug fuhr um 7 Uhr morgens mit 14 Wagen in Richtung Kriebethal. Der "Statistische Bericht" des Jahres 1897 vermerkt:
»Am 2. Mai ward auf der bisher nur dem Güterverkehr dienenden vollspurigen Nebenbahn Waldheim - Kriebethal für die Dauer des Sommerfahrplanes an Sonn- und Festtagen Personen- und Gepäckverkehr eingeführt.«
Der recht ansehnliche Personenverkehr bestand immerhin bis 1919. Die Ausflügler ins Zschopautal und zur Burg Kriebstein konnten die Halte in Rauschenthal und Kriebethal nutzen. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahmen Busse den Transport der potenziellen Fahrgäste. An der Endstation in Kriebethal stand noch Jahrzehnte nach dem Ende der Personenbeförderung die einfache hölzerne Wartehalle (Kosten des Ursprungsbaus 1 289 M, um 1940 nach Brand erneuert), nun genutzt als Buswartehäuschen.
Eine erste Erweiterung der Gleisanlagen fand am 11.03.1905 mit der Eröffnung des Anschlusses zum Werkteil Kriebenau statt. Am 01.04.1905 machte man sich Gedanken über die künftige Einordnung der Bahnstationen:
»Da in Kriebethal und Rauschenthal nur im Sommer an Sonntagen beschränkter Personenverkehr stattfindet, dürfte kaum ausreichender Grund vorhanden sein, diese Stationen unter die Bahnhöfe aufzunehmen. Der Verkehr und die Verhältnisse verweisen beide Stationen mehr unter die Ladestellen. ...«
In den Jahren 1925/26 ergänzte die Papierfabrik die Ldst Rauschenthal um einen Holzlagerplatz.
Eine kurzzeitige "Abwechslung" vom fast ausschließlich auf die Bedürfnisse der Papierfabrik orientierten Güterverkehr brachte der Bau der Talsperre Kriebstein. Zwischen 1927 und 1929 errichtete die Wayß & Freytag AG die 240 m lange und 28 m hohe Staumauer und ein 5000 kW-Wasserkraftwerk. Zur Anlieferung von Baumaterialien nutzte man ein eigens angelegtes Ladegleis in Kriebethal.
Am 22.04.1945 wurden alle Zschopaubrücken in Kriebethal gesprengt. Die Brücke am km 2,678 war am 28. Juli und die Brücke am km 3,52 am 31. August wieder befahrbar.
Die am 11.03.1946 beginnende Demontage der Papierfabrik bedeutete auch das Aus für den Anschluss nach Kriebstein, sowie den Abbau zweier Gleise in Kriebethal. Die ihrer Gleise beraubte Eisenbahnbrücke in Kriebstein wurde künftig als Ersatz für die nicht wieder aufgebaute Straßenbrücke (1872 durch die Lauchhammer-Werke errichtet) genutzt.
In den Jahren 1953/54 wurden die Anlagen zur Zellstoff- und Papierproduktion für den Neubeginn als VEB Papierfabrik Kriebstein wieder aufgebaut. Bekannt wurde später der Markenname "Kriepa" für Papiertaschentücher. Täglich vier Bedienungsfahrten verdeutlichen das hohe Güteraufkommen. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit lag bei 20 km/h. Nach 1962 wurde in Rauschenthal das Ladegleis in Richtung Kriebethal unterbrochen und um 1977 abgebaut. Am 01.01.1973 wechselte die Strecke ab Rauschenthal in das Eigentum der Papierfabrik, ausgenommen die Zschopaubrücke. Die Ladestellen wurden zu Anschlussstellen degradiert und der obere Streckenabschnitt fortan als Gleis 20 des Bf Waldheim durch Rangierfahrten bedient.
Am 02.07.1990 übernahmen die Alteigentümer wieder die Papierfabrik, konnten jedoch die Verlagerung der Transporte von der WK-Linie auf die Straße nicht aufhalten. Zuletzt erledigte einmal wöchentlich die 202 des Personenzuges Waldheim - Rochlitz in den Wendepausen die Bedienung der Anschlussbahn.
Der letzte Kohletransport rollte am 06.06.1992 zum Kriebethaler Heizhaus; ab 1993 stellte ein erdgasbetriebenes Kraftwerk die Wärmeversorgung sicher. Anlässlich des hundertjährigen Streckenjubiläums fuhren am 23.03. und 08.09.1996 erstmalig VT-Garnituren über die Industriebahn nach Kriebethal. Zum 31.12.1998 kündigte die DB AG den Anschlussbahnvertrag, womit der Streckenabschnitt ab Rauschenthal offiziell stillgelegt wurde. Trotzdem gelangte am 05.09.1999 nochmals ein VT zur 450-Jahrfeier des Ortes nach Kriebethal. Die im Juli 2003 noch angetroffenen Werkloks der "Kübler & Niethammer Papierfabrik Kriebstein AG" wurden für den werksinternen Verschub genutzt.
Eine unerfreuliche Zeitungsmeldung stammt vom Februar 2005: Das Amtsgericht Chemnitz eröffnete das Insolvenzverfahren gegen die Kübler & Niethammer AG in Kriebstein. Droht nach 150 Jahren Kriebethaler Industriegeschichte das Aus für die Papierfabrik? [1],[2],[3],[5],[6],[7],[8],[9],[10],[12],[14]

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