Waldheim in Sachsen
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Posaunenchor

100 Jahre Posaunenchor Waldheim- Reinsdorf

Der geschichtliche Ursprung geht viel weiter als 100 Jahre zurück. Bereits seit der Reformationszeit gab es musikalische Laiengruppen . Überliefert und vorhanden sind zahlreiche Noten für Blasinstrumente aus der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg. 1603 traten musikalische Laiengruppen der Stadtkirche und den Rochlitzer Stadtpfeifern beim Kurfürsten Christian II. auf seinem Jagdschloss in Waldheim auf.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts kam durch Adolf Müller, die von Johannes Kuhlo ausgegangene Laienbläserbewegung nach Sachsen.
Durch das zufällige Zusammentreffen im Herbst 1905 von Herrn Müller (Bruder des sächsischen Posaunengenerals), der eine Referendarstelle im hiesigen Amtsgericht inne hatte und den Waldheimer Pfarrer Max Würffel, wurde erwägt einen Waldheimer Posaunenchor zu gründen. Wer aber sollte diesen leiten und woher das Geld für Instrumente nehmen? Da bot sich die Zusammenarbeit mit dem evangelischen Männerverein an, der schon immer einen Posaunenchor gründen wollte und dafür bereit 150 Mark aus Spenden bereit hielt. Herr Inspektor Trinks leitete diesen und auch mit Pfarrer Würffel den Jünglingsverein. So bot sich eine enge Mitarbeit an und man konnte aus der Hälfte der jeweiligen Mitglieder den Posaunenchor gründen. Als offizielles Gründungsjahr für die Gruppe Bläser die sich zum gemeinsamen Musizieren zusammen geschlossen haben, gilt das Jahr 1906, in dem die Statuten festgelegt wurden. Seitdem liegt den Waldheimer Bläsern die Musik zur Ehre Gottes und Freude der Menschen am Herzen.
In der Anfangszeit wurde er geleitet durch Herrn Müller (gefallen im I. Weltkrieg) und auf Grund der Versetzung, später durch den Oberlehrer Schäfer.
Im I.Weltkrieg verstummte der Posaunenchor um danch wieder belebt zu werden. Die Instrumente wurden bei Herrn Seiler sicher verwahrt. Die Leitung nach dem Krieg übernahm bis 1931 der damalige Schutzmann Dähne. 1931 bis 1934 leitete der Kirchenmusikdirektor Küchler den Chor.
In diesen Zeiten trat man in Gottesdiensten, Konfirmandenfeiern, Palmsonntag, zur Silvesternacht und am Johannistag auf
Zur Zeit des Naziregimes wurde dem Posaunenchor auf öffentlichen Straßen und Plätzen verboten zu blasen. Von 1934 bis 1940 bestand der Posaunenchor nur noch aus Otto Wermann (gefallen in den letzten Tagen des Krieges), Alfred Linde (Gründungsmitglied), Albert Herold und Arno Roschinsky. Trotz schwerer Einschränkung hielten sie durch. Der letzte Auftritt fand in der Silvesternacht von 1939/ 1940 statt, dann wurden sie eingezogen. In der Zeit von 1939- 1945 traf man sich nur noch privat, wenn man auf Fronturlaub war. A. Herold (Ingenieur bei Kübler & Niethammer) und Fritz Peitzsch, die dem Kirchenvorstand angehörten, mobilisierten im Frühjahr 1948 junge Leute aus der Gemeinde. An der ersten Übungsstunde, die bei Peitzschs in der Küche stattfand, nahmen Wolfgang Bäßler, Günther Scheffler, Christian Schneider, Hans-Jürgen Zimmermann und Heinz Zschieschang teil. Der erste große Auftritt des neuen Posaunenchores fiel auf den Reformationstag 1948 auf dem Eichberg. Im selben Jahr kam Arno Roschinsky aus der Gefangenschaft zurück und konnte den Chor wieder mit unterstützen. Zu den Anfangsjahren der DDR durfte nur auf kirchlichem Gelände geblasen werden. Da man sich aber sagte, dass Gott überall ist und der Sinn des Posaunenchores es ist, das Wort Gottes in die Welt hinaus zu tragen, fand man sich immer öfter zu Feiertagen, wie Ostern, Pfingsten und an Sonntagen früh oder abends in unregelmäßigen Abständen zusammen um Choräle, Volkslieder und ähnliches von Anhöhen und anderen schönen Plätzen zu blasen. Wie die meisten Leser wissen, ist Waldheim von 13 Höhen entlang der Zschopau umgeben. Keine störenden Autos, keine Fernseher. Was für ein Klang muss das gewesen sein!
Einer der Höhepunkte des Posaunenchores war ein Ständchen vom Eisenbahnviadukt für den Bauern Mehnert, zu dessen Goldener Hochzeit. Als dickes Dankeschön gab es eine große Schüssel Pfannkuchen- ein Festessen für die damalige Zeit!!!
Trotz des Verbotes, auf öffentlichen Plätzen zu spielen, nahmen die Auftritte zu und wurden von der damaligen Regierung geduldet; es folgten sogar mehrere Einladungen der Stadt Waldheim zum Blasen des Morgengrußes für das Eichbergfest.
Bewusst suchte man auch Standorte, wie beispielsweise die J.- S.- Bachhöhe, um Gefangenen Lieder, Choräle der Hoffnung, der Auferstehung, der Freude vorzuspielen. Vierzig Jahre später wird es den Bläsern in einem veröffentlichten Brief gedankt. Dort heißt es unter anderem: „ Da blitzt doch auf unserem Sehnsuchtshügel zwischen den Stämmen plötzlich etwas golden auf… Und jetzt kommen Töne zu uns. Es wird ganz still in dem Saal der Hunderte von Frauen, der sonst immer von auf- und abschwellendem Gemurmel angefüllt ist. Als wir die Oberlichter zum Lüften öffnen dürfen, hören wir es ganz deutlich: Ein Choral wird gespielt. …“. Geschrieben wurden diese Zeilen von Dr. Hildegard Reinartz. Den heute noch lebenden Bläsern von damals traten Tränen in die Augen, beim Lesen dieser Zeilen.
Die Instrumente, die zum Spielen nach dem Krieg benötigt wurden, trug man aus Privathäusern und alten Beständen der Kirche zusammen. Später wurden zum Teil neue angeschafft bzw. privat gekauft.
Bewusst eingesetzt und gefördert wurden sie durch die Kantoren der Stadtkirche Waldheim in Gottesdiensten und auf anderen kirchlichen Veranstaltungen.Im Jahr 1978 begann die Zusammenarbeit der Posaunenchöre Waldheim und Reinsdorf, die sich 1990 zum Posaunenchor Waldheim- Reinsdorf vereinten. Seit dem Jahre 1980 begann mit den alljährlichen Bläserfreizeiten in Havelberg eine Tradition, die aus dem Leben des Posaunenchors nicht wegzudenken ist. Dort gestaltet der Posaunenchor Gottesdienste zur Jahreslosung, spielt in Senioren- und Behindertenheimen. Ein Paar neu angeschaffte Pauken bereichern seit 2001 die musikalischen Möglichkeiten.
Nach dem Augusthochwasser 2002 nahm der Posaunenchor Bornich mit dem Waldheimer Posaunenchor Kontakt auf. Seit dieser Zeit verbindet beide eine Partnerschaft. Zu sehen und zu hören ist diese musikalische Allianz auch in der Festwoche.
Gegenwärtig gehören zum Waldheim- Reinsdorfer Posaunenchor: Albrecht Moskal (Trompete), Andreas Friede (Leiter + Trompete), Mathias Schröter (Posaune), Stefan Schlesier (Trompete/Waldhorn), Annegret Löwe (Trompete), Gottfried Schlesier (Flügelhorn), René Michael Röder (Posaune/Tuba), Wolfgang Ihl (Baritonhorn), sowie Heidrun Schlesier (Waldhorn), Beate Schlesier und Annett Friede (Pauken).